19.05.2011
Schettler: moderne Stadtentwicklung braucht die Wirtschaft und den Dialog
6. Bielefelder Stadtentwicklungskongress:
Schettler fordert Dreiklang der Nachhaltigkeit - Bedürfnisse von Senioren nicht gegen Klimaschutz stellen
Prof. Töpfer will Stress-Test für jeden neuen Bebauungsplan
Eröffnung der Bielefelder Stadtentwicklungstage 2011 (von links): Stv. BFW-Landesvorsitzender Rolf Schettler, VdW-Verbandsdirektor Alexander Rychter, Bau- und Planungsdezernent Gregor Moss und Gastgeber Norbert Müller (BGW) © Foto Wolfgang Rudolf, NW
Bereits zum 6. Mal veranstaltete die Stadt Bielefeld gemeinsam mit der Bielefelder Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft BGW und in Kooperation mit BFW und GdW den zweitägigen Fachkongress Bielefelder Stadtentwicklungstage. Das diesjährige Thema „Nachhaltige Stadtentwicklung – Energie, Verkehr, Klima“ war angesichts der aktuellen Umweltkatastrophen in Japan und USA von besonderer Brisanz. 350 Kongressteilnehmer hatten den Weg in die ostwestfälische Metropole gefunden.
Der Stellvertretende BFW-Landesvorsitzende NRW, Rolf Schettler (Herten) mahnte zur Kongresseröffnung, dass echte Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung nicht nur mit energetischen oder verkehrlichen Fragen verknüpft bleiben darf, sondern dem zweiten Megatrend gerecht werden müsse, Städte auf die bevorstehende Schrumpfung und Alterung der Gesellschaft vorzubereiten. In diesem Zusammenhang kritisierte er in Anwesenheit von Prof. Dr. Klaus Töpfer, dem Vorsitzenden der Ethik-Kommission der Bundesregierung zum Energiewandel, dass die Immobilienwirtschaft in dieser Kommission und auch an deren Sachverständigen-Anhörung nicht beteiligt worden sei. „Das ist ein Unding“, so Schettler, „zumal die Politik große Teile des Klimaschutzpaketes im Korb der Wohnungswirtschaft abgelegt hat!“
Zudem plädierte Schettler für kooperative Stadtentwicklung: Dialog statt Konfrontation. Kommunen sollten die Entwicklungsplanung nicht in erster Linie als hoheitlichen Akt ansehen, sondern erkennen, dass Stadtentwicklung die Wirtschaft braucht, und ausdrücklich nicht nur den Handel. "Unsere Zentren brauchen wieder Wohnbürger", so Schettler. Und diese brauchen Infrastrukturen, umso mehr, wenn es sich um ältere oder sogar hochaltriger Bürger handelt. Komprimierte Einkaufs- und Aufenthaltsqualitäten seien gefordert, dies reduziere dann fast automatisch das Verkehrsaufkommen.
Prof. Dr. Klaus Töpfer, langjähriger Bau- und Umweltminister in der Regierung Kohl und später Direktor des UN-Umweltschutzprogramms, forderte in seiner Grundsatzrede einen „Stress-Test“ für jeden neuen Bebauungsplan. Er müsse auf Flexibilität und Anpassungsfähigkeit für die absehbaren künftigen Entwicklungen geprüft werden, zu denen neben Fragen der CO2-Reduktion selbstredend auch der demografische Wandel gehöre.
Details zu den Bielefelder Stadtentwicklungstagen:
www.kooperative-stadtentwicklung.de